Leistungen
Das Problem ist nicht das Material — es ist die Spezifikation.
Viele Leistungsverzeichnisse im Bereich Begrünung, Bodenkunde und Materialauswahl sind veraltet — teilweise Jahrzehnte alt, punktuell angepasst, aber nie systematisch auf den Stand der Technik gebracht. BPS hat die Schnittstelle zwischen Materialkunde und Praxis. Wir helfen, Spezifikationen zu überarbeiten die dieser Realität nicht mehr entsprechen.
Das strukturelle Problem
Normen aus den 1970ern — Materialien aus dem Jahr 2026
Die Normen und Regelwerke die den heutigen Ausschreibungen im Bereich Begrünung und Bodenschutz zugrunde liegen, entstanden überwiegend in den 1970er und 1980er Jahren. Sie wurden seither punktuell angepasst — einzelne Paragrafen überarbeitet, einzelne Stoffe ergänzt oder gestrichen — aber nie systematisch mit dem tatsächlichen Stand der Materialentwicklung abgeglichen.
Das Ergebnis ist ein Sammelsurium an Formulierungen, die sowohl für Ausschreibende als auch für ausführende Betriebe problematisch sind. Ausschreibende spezifizieren Materialien die am Markt kaum noch erhältlich sind oder längst durch bessere Alternativen ersetzt wurden. Betriebe bieten auf Leistungsverzeichnisse, die technisch überholt sind — und haben keine normative Grundlage um zeitgemäße Alternativen anzubieten.
Die Materialangebote und die Erfahrungen der Fachleute mit einzelnen Werkstoffen haben sich in den letzten 30 Jahren massiv weiterentwickelt. Die Normen haben diese Entwicklung nicht abgebildet. Diese Lücke ist das eigentliche Problem — und der Ansatzpunkt für BPS.
Entwicklungsstand — Normen vs. Materialien
Die Schere öffnet sich weiter: Normen haben die Materialentwicklung der letzten drei Jahrzehnte nicht abgebildet. LV-Texte die auf diesen Normen basieren, spezifizieren häufig Materialien die am Markt nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen.
Defizitbereiche
Drei Themenbereiche — systematische Lücken
Die Defizite in bestehenden LV-Texten sind kein Zufallsprodukt. Sie folgen einer Logik: Normen wurden punktuell angepasst, aber nie im Kontext der gesamten Materialentwicklung bewertet. Drei Bereiche sind besonders betroffen.
Vegetation & Begrünung
Vegetationsausschreibungen nach DIN 18918 und ZTV Vegtra weisen grundlegende fachliche Lücken auf, die sich durch das bloße Abschreiben bestehender Texte über Jahrzehnte erhalten haben.
↳Kein Bezug zur Abstimmung von Mulchmaterial, Zuschlagsstoffen und Stickstoffdüngung aufeinander — besonders kritisch bei kräuterlastigen Mischungen mit niedrigen Stickstofftoleranzen
↳Saatgutspezifikationen ohne Herkunftsnachweis oder Keimfähigkeitsangabe nach aktuellem Stand
↳Anwuchsgarantien ohne definierte Standort- und Substratparameter — rechtlich und fachlich unhaltbar
Bodenkunde & Substrate
Substratspezifikationen in LV-Texten orientieren sich häufig an veralteten Bodenklassifikationen und ignorieren moderne bodenbiologische Erkenntnisse zur Aktivität des Bodenmikrobioms.
↳Humusgehaltsangaben ohne Differenzierung zwischen stabilem Humus und labiler organischer Substanz
↳pH-Wert-Vorgaben ohne Bezug zur geplanten Pflanzengemeinschaft oder Bodenbiologie
↳Verdichtungsgrade ohne Differenzierung nach Vegetationsschicht und Tragschicht — bodenphysikalisch unzureichend
Materialauswahl & Bindemittel
Der gravierendste Bereich: Materialien die in den 1970ern als Stand der Technik galten, stehen heute unter regulatorischem Druck oder sind schlicht durch bessere Alternativen ersetzt worden — ohne dass LV-Texte das reflektieren.
↳Stroh als Deckmulch stammt aus einer Zeit vor speziell entwickelten Fasermaterialien — die Technik ist heute deutlich weiter
↳Polybutadienkleber in Begrünungsausschreibungen nicht mehr zeitgemäß — Alternativen existieren, werden aber normativ nicht geführt
↳Polyacrylamid-Polymere ohne klares Sicherheitsdatenblatt-Erfordernis ausgeschrieben — regulatorisch und ökologisch problematisch
Konkrete Fälle
Vier Beispiele — stellvertretend für ein systemisches Problem
Die folgenden Beispiele stehen stellvertretend für eine weitverbreitete Praxis: LV-Texte werden kopiert, ohne dass der fachliche Hintergrund der ursprünglichen Spezifikation bekannt ist oder hinterfragt wird. Das Ergebnis sind Ausschreibungen die technisch überholt, rechtlich angreifbar oder ökologisch bedenklich sind.
Stroh als Deckmulch
Stroh wurde als Abdeckmaterial in Begrünungsausschreibungen etabliert, als es noch keine Alternative gab. Es ist das Nebenprodukt der Landwirtschaft das zur Hand war — nicht das Material das die beste Schutzwirkung bietet.
Stand heute: Speziell entwickelte Holz- und Cellulosefasermaterialien bieten definierte Faserlängenverteilung, kontrolliertes C/N-Verhältnis, bessere Bodendeckung und reproduzierbare Applikationseigenschaften. Sie sind in LV-Texten kaum normativ verankert.
Polyacrylamid-Polymere ohne SDB-Anforderung
Polyacrylamid-basierte Bodenstabilisatoren und Erosionsschutzmittel werden in Ausschreibungen ohne Anforderung an ein Sicherheitsdatenblatt oder Restmonomergehalt spezifiziert. Das Restmonomerpotenzial von Acrylamid ist toxikologisch relevant.
Stand heute: EU-REACH schreibt für derartige Stoffgruppen klare Dokumentationspflichten vor. LV-Texte die PAM ohne SDB-Anforderung ausschreiben, entsprechen nicht dem regulatorischen Stand und schaffen Haftungsrisiken für Ausschreibende.
Polybutadienkleber in Begrünungssystemen
Polybutadienbasierte Klebstoffe wurden in frühen Hydroseeding- und Erosionsschutzsystemen eingesetzt. Sie sind in einigen älteren Normtexten noch als Referenzmaterial geführt — obwohl sie am Markt kaum noch eine Rolle spielen.
Stand heute: Biopolymere und naturbasierte Bindemittel bieten gleichwertige oder bessere Klebeigenschaften bei vollständiger biologischer Abbaubarkeit. Der normative Verweis auf Polybutadien hat keine technische Grundlage mehr.
Fehlende C/N-Abstimmung in Vegetationsausschreibungen
Das C/N-Verhältnis von Mulchmaterial, organischen Zuschlagsstoffen und die applizierte Stickstoffmenge müssen aufeinander abgestimmt sein. Holzfaserreiche Mulche mit weitem C/N binden verfügbaren Bodenstickstoff temporär und konkurrieren direkt mit der Keimung. In den meisten LV-Texten kommt dieser Zusammenhang schlicht nicht vor.
Stand heute: Besonders bei kräuterlastigen Mischungen — die von Haus aus niedrige Stickstofftoleranzen haben — führt ein nicht abgestimmtes C/N im Deckmulch zu Anwuchsmisserfolgen die dem Saatgut angelastet werden. Eine vollständige Substratspezifikation muss Mulchmaterial, Zuschlagsstoffe und Stickstoffversorgung gemeinsam adressieren.
Was BPS leistet
Von der Analyse zum überarbeiteten LV-Text
BPS bewertet bestehende LV-Texte fachlich, identifiziert veraltete oder problematische Spezifikationen und überarbeitet sie auf den Stand der Technik — mit Bezug auf aktuelle Normen, Materialverfügbarkeit und regulatorische Anforderungen.
LV-Analyse & Bewertung
Systematische Durchsicht bestehender Leistungsverzeichnisse auf veraltete Materialspezifikationen, fehlende Parameter und regulatorische Lücken. Priorisierung der Überarbeitungsbedarfe.
→Materialspezifikationen auf Aktualität prüfen
→Fehlende Parameter identifizieren
→Regulatorische Risiken kennzeichnen
Rohstoff- & Materialbewertung
Fachliche Bewertung ausgeschriebener Materialien — Verfügbarkeit, technische Eignung, regulatorischer Status, naturbasierte Alternativen. Grundlage für die Überarbeitung.
→Materialvergleich alt vs. aktueller Stand
→Alternativenvorschläge mit Begründung
→Sicherheitsdatenblatt-Anforderungen prüfen
Überarbeiteter LV-Text
Überarbeitete Leistungstexte nach STLB-Bau, DIN, Ö-Norm oder projektspezifisch — fachlich aktualisiert, normativ begründet, applikationspraktisch formuliert.
→STLB · DIN · Ö-Norm · projektspezifisch
→Inkl. Materialanforderungen und Prüfparameter
→Verwendbar in Ausschreibung und Vergabe
Normbezug
Ingenieurbiologische Sicherungsbauweisen
Lücken in MaterialbezugVegetationstechnik im Landschaftsbau
Lücken in MaterialbezugVegetationstragschichten Straßenbau
C/N-Abstimmung fehltBegrünung Straßenbau Österreich
Fasermaterialien unvollständigLandschaftsbau — Begrünung
Materialstand überholtBegrünungsarbeiten Österreich
Fasermaterialien unvollständigBodenuntersuchungsverfahren
Aktuell — ReferenzgrundlageChemikalienregistrierung & -bewertung
In LV-Texten selten referenziertIndividuelle Leistungsbeschreibungen
Auf AnfrageNormaktualisierung als Forschungsfeld
Die systematische Überarbeitung von Normtexten im Bereich naturbasierter Begrünungs- und Bodenschutzsysteme ist ein anerkanntes Forschungsfeld in EU-Förderprogrammen. BPS bringt Praxiswissen, Materialkenntnis und regulatorische Kompetenz in entsprechende Projektkonsortien ein.
Veraltetes LV? Wir schauen es uns an.
Schicken Sie uns das bestehende Leistungsverzeichnis oder beschreiben Sie die Ausschreibungsaufgabe. BPS identifiziert die Schwachstellen und macht einen Vorschlag für die Überarbeitung — ohne Verpflichtung.